Wie Kindheitsträume aus einem Wochenendsportler einen Abenteurer machten

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Als Kind wollte Ash Routen Abenteurer oder Höhenbergsteiger werden. Erst vor Kurzem führte ihn seine Leidenschaft für Eislandschaften über den größten zugefrorenen See der Welt. Holen Sie sich Tipps aus erster Hand, wie Sie Ihre Outdoor-Ziele verwirklichen können. 

Wenn Sie schon immer in die Fußstapfen Ihrer Helden – Polarforschern wie Scott, Shackleton und Amundsen, die sich den härtesten Klimazonen auf unserem Planeten gestellt haben – treten wollten und die Herausforderung annehmen wollen, stellt sich die Frage: Wo fangen Sie an?

Dr. Ash Routen, Sportwissenschaftler an der Universität mit einer Vorliebe für kalte Gefilde, machte es sich zur Aufgabe, den größten zugefrorenen See der Welt, den Baikalsee in Russland, zu Fuß zu überqueren. Er sprach mit Land Rover Explore über seine Faszination für die arktischen Bedingungen, wie er seine Expedition plante sowie über die Höhen und Tiefen seines unglaublichen Abenteuers.

Ash, ein begeisterter Naturbursche kam 2015 durch ein Geschenk seiner Freundin wieder auf den Geschmack für eiskalte Gefilde. Das Geschenk war ein Buch über die schicksalshafte Antarktisexpedition des Geologen Sir Douglas Mawson 1911 und erweckte in Ash den Wunsch, diese Landschaften und Bedingungen selbst zu erleben. Er war beeindruckt von der körperlichen Stärke, dem mentalen Durchhaltevermögen und den Navigationsfähigkeiten, dank derer Mawson überlebte und ins Basiscamp zurückkehrte: Während der Expedition war er in eine Gletscherspalte gefallen, ihm war das Essen ausgegangen und er hatte seine zwei Begleiter verloren. Zudem litt er an schweren gesundheitlichen Problemen. Ash fragte sich, wie er unter ähnlichen Bedingungen zurechtkommen würde und ob er sich mit seinen mutigen Vorbild messen konnte. Vor allem aber wollte er die endlosen Landschaften selbst erleben.

Polar-Praktikum

In einer perfekten Welt wäre Ashs Traumziel der Nord- oder Südpol gewesen, aber Expeditionen dieser Art sind logistisch schwierig; schon der Weg zum Start kann eine langwierige und teuere Reise sein. „Ich bin nur ein ganz normaler Mensch, der diese polaren Bedingungen erleben wollte oder musste.”

Also wurde Ash kreativ. Er sah sich nach Alternativen um, die er mit seinem Job vereinbaren konnte. Er suchte schöne gefrorene Orte, die seine Erwartungen an die Expedition erfüllten – „Ich wollte an einen Ort gehen, dessen Schwierigkeitsgrad dem der Polen ähnelt”, erklärte er.

Als Vorbereitung ging er im Februar 2016 im Rahmen einer kurzen, geführten Tour zum Finnmarksvidda ins arktische Norwegen. Dort konnte er sich unter der Betreuung des professionellen Guides Mike Thornewill zusätzliche Fähigkeiten aneignen und sammelte die notwendige Erfahrung, um mit den kalten Wetterbedingungen zurechtzukommen

Im Anschluss an diese Erfahtung wollte Ash herausfinden, ob er genug gelernt hatte, um diese Umgebung alleine bewältigen zu können. 2017 machte er den nächsten Test: Dieses Mal begab er sich alleine auf eine einwöchige Skitour durch das Hardangervidda nordwestlich von Oslo – eine bekannte Übungsregion für Polarexpeditionen. Beim Anblick von einem der größten Gletscher Norwegens steigerte seine Abenteuerlust noch mehr.

Der Baikalsee

Als nächste Herausforderung wollte Ash seine Belastbarkeit mit einer längeren Reise testen. Hierbei musste er einige Möglichkeiten abwägen. Aus logistischen Gründen war es beispielsweise erforderlich, einen Ausgangspunkt auszuwählen, den man ohne teure Anreise erreichen kann. Dennoch wollte er gleichzeitig an seine Grenzen gehen.

Ash recherchierte, las viel, studierte Satellitenkarten und wandte sich an die Outdoor und Adventure Community, um sich Tipps für Eisstrecken zu holen, die er in der Zeit, die ihm zur Verfügung stand, bewältigen konnte.

Schließlich entschied er sich für den Baikalsee in Sibirien, den ältesten, größten und tiefsten natürlichen Süßwassersee der Welt. Der See ist so groß, dass er schätzungsweise 22 % des gesamten Süßwassers der Welt fasst. Doch bei dieser Tour gab es noch einen weiteren Punkt, der sie für ihn so interessant machte: Sollte die Tour bewältigen, wäre er der jüngste Brite, der diese Leistung je vollbracht hat.

Die Entscheidung war gefallen und er wusste, dass Erfolg oder Scheitern seines Vorhabens von einer guten Planung abhingen – also befasste er sich die nächsten 2-3 Monate damit, die Details auszuarbeiten.

Die Adventure Community half bei den praktischen Einzelheiten. Eine Frau, die bereits den Everest bestiegen hatte, lieh ihm einen Schlitten. Ein einheimischer Guide half ihm bei der Logistik und mit dem Teil der Ausrüstung, die er nicht mit dem Flugzeug transportieren konnte. Ash drückt es folgendermaßen aus: „Ich konnte auf den Schultern der Riesen stehen, die solche Touren vor mir bereits gemacht haben.”

In Phil Sturgeon, einem Klempner, der wie Ash einer der Teilnehmer der geführten Norwegenreise gewesen war, fand er einen Begleiter für seine Reise. Trotz der 20 Jahre Altersunterschied verstanden sich die beiden sehr gut. Ash war beruhigt, weil er wusste, dass er auf Phil zählen konnte und sie die Tour als Team überstehen würden, wenn die Bedingungen es verlangten.

Da ihre Visa eine maximale Aufenthaltsdauer von 30 Tagen festlegten, legten sie ihren Ausgangspunkt in die Nähe einer Verkehrsanbindung – die atemberaubende Tour begann somit in Listwjanka, in der Nähe von Irkutsk. Beide waren sich bewusst, dass sie es unter keinen Umständen riskieren durften, zurück zur Spitze des Sees zu gehen, wenn es zu lange dauern sollte. Vor allem machten sie sich jedoch Sorgen, ihre Aufenthaltsdauer zu überschreiten – das kühle Verhältnis zwischen Großbritannien und Russland Anfang 2018 hätte ihnen schwere Probleme bereiten können, wenn sie nicht pünktlich abgereist wären.

Die Strecke über den See

Von Listwjanka aus gingen sie die westliche Küste des Sees entlang, bevor sie die Insel Olkhon erreichten und in Sewerobaikalsk im Norden des Sees die Tour beendeten.

Mit einer Länge von 634 Kilometern entspricht die Strecke dem Weg von London nach Edinburgh oder der Länge von 15 Marathons hintereinander.

Da sie unterschiedliche Schrittlängen und Geschwindigkeiten hatten, gingen die beiden häufig nicht gemeinsam: Ash startete oft früher und Phil holte ihn im Laufe des Tages ein. Eines Tages, als Ash in einer Hütte anstelle eines Zelts geschlafen hatte (das Zelt baute Phil jeden Morgen ab, bevor er sich auf den Weg machte), wunderte er sich, wo Phil blieb. Als sie sich schließlich wieder trafen, erzählte Phil, dass ein Bär in der Nähe der Hütte umhergestreift war und er warten musste, bis die einheimischen Wildhüter den Bären mit Schüssen verscheucht hatten.

Das Eis und das Gelände

Eis ist nicht immer glatt und glänzend,weshalb sich Ash und Phil mit unterschiedlichen Geländetypen herumplagen mussten, darunter Schnee auf Eis, Eistrümmer, die entstehen, wenn Eisblöcke gegeneinander drücken, sowie Bereiche in Küstennähe mit zerbrechendem und schmelzendem Eis.

„Das Eis ist wie ein lebendiges Ungeheuer”, sagt Ash. „Es war der Soundtrack zu unserer Reise – Ächzen, Donnern, Gurgeln und Knarren. Der Boden kann regelrecht beben.”

Zu Beginn ihrer Tour konnte dies noch sehr bedrückend sein, vor allem nachts im Zelt, wenn die Phantasie freien Lauf nahm. Aber Ash sagt, „man gewöhnt sich irgendwann an die Geräusche und kann gut schlafen”.

Das Explore-Smartphone

Zu Ashs Ausrüstung gehörte das Land Rover Explore Smartphone, und er war beeindruckt von seinem Nutzen. Seine Spiegelreflexkamera war nach 3-4 Minuten vereist und er musste sich beeilen, um gute Bilder zu schießen. Das Land Rover Explore aber konnte er in seiner Tasche tragen und jederzeit Fotos machen.

Wenn er die Kamera, Videofunktion und ViewRanger-App nicht übermäßig nutzte, hielt der Akku 6 Tage – deutlich länger als das iPhone seines Begleiters, dessen Akku nach etwa einem Tag leer war.

Der Akku des Explore-Smartphones hielt auch länger als Ashs Navigationsgerät. Daher überlegt er, nächstes Mal das Navigationsgerät zu Hause zu lassen und nur das Land Rover Explore mitzunehmen.

Vor allem konnte ihn die Robustheit des Smartphones überzeugen: Von den extremen Bedingungen trug es keine Schäden davon, selbst als er es über Nacht versehentlich im Vorzelt gelassen hatte.

Warum sollte man eine solche körperliche Herausforderung auf sich nehmen?

Wie aber schafft man es von einem passionierten Wanderer und Hochschulprofessor zum Polarabenteurer?

Dass Ash in Physical Activity und Public Health promoviert hat, ist ihm hier zu Gute gekommen. In seinem Beruf spornt er Grundschüler dazu an, sich mehr zu bewegen.

Als Kind war er bei den Pfadfindern und liebend gerne draußen unterwegs, studierte Sport und Sportwissenschaften. Darüberhinaus geht gerne wandern und hat Frankreich schon mit dem Fahrrad durchquert.

Ash reizte vor allem die körperliche Herausforderung der polaren Bedingungen – einfach als Mann seine natürlichen Fähigkeiten in extremen Bedingungen auszutesten, beispielsweise ohne Klettertechniken.

Ash wusste, dass er jeden Tag 25 bis 42 Kilometer gehen und dabei einen Schlitten ziehen würde. Er bereitete sich darauf vor, indem er Autoreifen durch matschige Felder zog. Auch wenn man sich daran gewöhnt, wie er meint, so spürte man es dennoch in der Hüftbeugemuskulatur. Das zeigt wiederum, dass man mit genügend Entschlossenheit die Fitness für diese Art der Herausforderung erreichen kann.

Ash sagt aber auch, dass, wenn die Temperaturen auf -35 C° mit Windkühlfaktor sinken und man einen Schlitten zieht, „man sich damit abfinden muss, dass es nicht bequem ist”.  Kein Duschen, 10 Tage lang die gleiche Basiskleidung tragen, in eine Flasche urinieren, Trockenfutter essen und 19 Tage lang eisigen Temperaturen standhalten – das sind nur einige der Herausforderungen bei dieser Art von Expedition.

Die körperliche Fitness ist nur ein Teil dieser spektakulären Reise. Auch psychische Stärke ist erforderlich – Entschlossenheit, Bewältigungsstrategien und niemals ans Aufgeben zu denken sind für den Erfolg ausschlaggebend.

Unvergessliche Momente der Tour

Auf seiner Expedition erlebte Ash viele Höhen und ein paar Tiefen. Der schlimmste Teil der Reise war um Tag 9 rum, als er an jedem Zeh Blasen hatte und sich Fußbrand entwickelte. „Es war so, als würde man auf Nadeln gehen”, sagt er. Aber daran aufzugeben, daran dachte ernie. Schmerzmittel, verbundene Füße und frische Socken halfen ihm ans Ziel.

Der unheimlichste Moment war, als er nahe bei einem natürlichen Eisbruch Rast machte und lautes Knacken hörte und große Eisbrocken in das nahegelegene Wasser stürzte. Er sah plötzlich vor seinem inneren Auge, wie die Eisdecke unter ihm nachgeben würde, und begab sich schnell in Sicherheit. Selbst mit der Angst im Nacken, in das kalte Wasser unter ihm zu stürzen, bewahrte er einen kühlen Kopf und ließ den schweren Schlitten zurück, damit das Wasser unter dem zusätzlichen Gewicht nicht weiter brechen würde. Er wartete ab, bis das Knacken vorbei war und holte seine Ausrüstung nach, als er sicher sein konnte, dass die Gefahr überstanden war. Wenn er über die Reise spricht, weist er bescheiden auf die möglichen Gefahren hin.

Zum Ende der Tour gab es einen magischen Tag, an dem Ash, während er unterwegs war, die Bedingungen ihn nicht störten und er die Landschaft in sich aufnahm, dachte: „Ich glaube nicht, dass ich einmal einen schöneren Tag in der Natur erlebe als diesen hier.” Man muss sich nur seine Fotos anschauen, um einen Eindruck von der atemberaubenden Landschaft zu erhalten, aber um so verbunden mit der Umgebung sein zu können, muss man sie selbst erlebt haben.

Ein weiteres Highlight war für Ash die herzliche Begrüßung der Einwohner. Vor der Reise wurden Phil und er gewarnt, dass es Probleme geben könnte – man könnte sie überfallen und ihre Ausrüstung stehlen. Aber sie trafen nur auf sehr warmherzige und großzügige Menschen. Viele von ihnen klatschten zum Zeichen der Freundschaft in die Hände, wenn sie sich nicht in einer gemeinsamen Sprache verständigen konnten. Einmal hielt ein LKW-Fahrer neben ihnen an. Das versetzte sie sofort in Alarmstimmung. Was wollte er? Waren sie in Gefahr? Aber stattdessen zeigte sich der Fahrer freundlich und gab ihnen Wodka-Shots, bevor er weiterfuhr.

Ash sagt, er habe sich körperlich noch nie so fit gefühlt wie am Ende der Tour. 10 Stunden Sport zusammen mit 10 Stunden Sonne und 8 Stunden Schlaf haben sich bezahlt gemacht. Die beiden legten die Strecke in nur 19 Tagen zurück – ursprünglich geplant hatten sie 21-22 Tage. Das Ende war eine Mischung aus Erleichterung und dem Wunsch, weiterzumachen.

Die Folgen der Tour

Was bewirkt eine so einmalige Reise? Ash sagt, er war „zufrieden und stolz” auf das, was er erreicht hatte. Seine Komfortzone hat sich verschoben. Er hat nun mehr Vertrauen in seine Fähigkeiten, alle Herausforderungen meistern zu können.

Dieses neue Selbstvertrauen bezieht sich aber nicht nur auf sein Privatleben – auch am Arbeitsplatz ist er aktiver und durchsetzungsfähiger geworden.

Tipp für andere Abenteurer

Ash hat einen Tipp für Entdecker mit dem Wunsch #ExploreMore:

  • Holt euch Rat bei der Outdoor Community – Die Menschen sind sehr freundlich und teilen gerne ihre Erfahrung und Kenntnisse.
  • Übernehmt eine „ich schaffe das”-Einstellung – Seid positiv, zielstrebig und entschlossen, selbst wenn andere euch abschrecken wollen.
  • Investiert Zeit in die Planung – Recherchiert die beste verfügbare Ausrüstung, an welcher Stelle ihr sparen könnt und wo ihr nicht knausern solltet.

Was steht als nächstes an?

Ash weiß nun, was er sich zumuten kann und denkt bereits über due nächste Tour nach – sofern Arbeit, Finanzen und Familie es erlauben. Und auf seiner Einkaufsliste steht ein neues Paar Stiefel.

Derzeit befasst er sich mit anderen zugefrorenen Seen, über die noch kein Brite gegangen ist, sowie mit anderen entlegenen Orten, an denen neue Strecken erkundet werden können. Er hat vor Pfadfindern und Schulgruppen gesprochen, um eine neue Generation der Outdoor-Liebhaber zu inspirieren und zu ermutigen.

Erfahren Sie mehr auf der Website von Ash Routen